Tim Luca

Für unseren kleinen

Tim Luca

620 g, 29 cm

still geboren am

3. Januar 2007

in der 28. SSW

Es weht der Wind ein Blatt vom Baum,
von vielen Blättern eines.
Das eine Blatt man merkt es kaum,
denn eines ist ja keines.
Doch dieses eine Blatt allein,
war Teil von unserem Leben.
Drum wird dieses Blatt allein
uns immer wieder fehlen.

Unsere Geschichte:

 Nach einer Fehlgeburt vor 2 Jahren erfahren wir Anfang Juli 2006, daß wir wieder ein Kind erwarten. Schon seit einiger Zeit spürte ich, daß wir zu dritt sind. Mir war leicht übel und die Brüste taten weh. Der Arzt stellte die Schwangerschaft in der 4. Woche fest. Ich wußte nicht so Recht damit umzugehen, da mir mein Gefühl von Anfang an sagte, daß etwas nicht stimmt. Ich hatte ständig Unterleibschmerzen und Blutungen. Meinen Frauenarzt interessierte weder die gesundheitlichen Probleme, noch mein Bauchgefühl etwas. Ich sei nur zu erregt über die Schwangerschaft, seine Aussage. Da wir einen Urlaub im September gebucht hatten, wollte ich Gewissheit und bin wieder zu ihm. Ich blutete in der 7. Woche immer noch und es zog ununterbrochen im Unterleib. Er überwies mich in die Klinik, dort stellte man fest, daß ich dabei bin eine Fehlgeburt zu erleiden, die Fruchtblase zog sich schon länglich in Richtung Muttermund. Ich sollte ab jetzt liegen und Medikamente nehmen. Das kam aber für mich nicht in Frage. Liegen konnte ich auch zu Hause und ich hatte ja eben noch das komische Gefühl, daß mein Körper nicht einfach so versucht, das Kind abzustoßen. Ich ließ mich wieder aus dem KH entlassen. Ich erlitt keine Fehlgeburt. Wir erlebten einen schönen Wanderurlaub, der nur durch mein Erbrechen und die weiteren Blutungen getrübt wurde. Wieder zu Hause lag eine Untersuchung beim Frauenarzt an. Wieder erwähnte ich meine Schmerzen, er fragte mich, ob ich im Urlaub Sex mit meinem Mann hätte. Ich bejahte...er fragte, ob ich Spaß dabei gehabt hätte. Ich war entsetzt und fragte ihn, was diese Fragen sollen. Seine Antwort: Wenn ich Spaß dabei gehabt hätte, könnte es mir ja so schlecht nicht gehen. Ich war sehr böse auf ihn. Dann überwies er mich wieder in die Klinik, weil er nicht wüsste, warum ich Schmerzen haben sollte. Dort wurde im Ultraschall festgestellt, daß unser Baby einen Nabelbruch hat. Der war schon damals sehr groß, fand ich. Wir wurden zur Uniklinik Münster geschickt. Die 1. Untersuchung dort dauerte über 3 Stunden. Es wurde dann eine Chorionzottenbiopsie versucht, erst vaginal, dann durch die Bauchdecke. Beide schlugen fehl, ich hatte starke Schmerzen und auf dem Heimweg konnte ich vor Krämpfen kaum sitzen. Ich dachte, ich verliere unser Kind. Eine Woche später wurde beides wieder versucht, diesmal waren sie erfolgreich. Anschließend hatte ich wieder Krämpfe und das Gefühl mein Körper versucht das Kind "loszuwerden". 3 Tage später rief uns der Arzt an und sagte, es wäre nicht genetisch, das Problem unseres Kindes. Ich war froh, aber wußte nicht, was das nun alles zu bedeuten hätte. Er sagte mir, unser Kind hätte denkbar schlechte Aussichten, der Tod im Mutterleib wäre wahrscheinlich. Das war im 4. Monat. Es wurde uns eine Abtreibung nahe gelegt. Ich fahndete im Netz nach Abtreibungsseiten und der Schock über das Gelesene und die Bilder war so groß, daß wir uns absolut gg. eine Abtreibung entschieden. Es hieße, unser Kind stürbe wohl spätestens nach der Geburt. An dem Tag wollten wir wissen, was es wird. Ich wußte es eigentlich sowieso und die Bestätigung war sehr schön, wir würden einen Jungen bekommen. Wenn er sowieso sterben müsse, warum sollte er dann nicht selber gehen? So empfanden wir das. In den nächsten Tagen gaben wir ihm den Namen Tim Luca...So vergingen die nächsten Wochen und Monate mit etlichen Uniklinikbesuchen, die Untersuchungen waren jedesmal sehr umfassend und zeitraubend. Mit jedem  Besuch machten uns die Ärzte mit "Es könnte auch noch dies und das sein" fast wahnsinnig. Öfters wurde noch nach einer Entscheidung zur Abtreibung gefragt, aber wir wollten das absolut nicht. Es kamen noch  Dinge wie ein Herzfehler, Fehlstellung der Beinchen, eine Fehlbildung an der Wirbelsäule zur Sprache. Nichts davon wurde 100 % festgelegt. Es waren enorm belastende Wochen für uns. Dennoch waren die Ultraschalluntersuchungen unglaublich schön, wir sahen wie gut es unserem Kleinen in mir ging. Er nuckelte am Daumen und zappelte wild herum. Diese Momente waren herzergreifend und nährten wohl mit den Monaten die Hoffnung in uns, daß vielleicht doch alles gut wird. Wenn unser Sohn es bis zur Geburt schaffen würde, würden große Operationen vor ihm liegen. Die Ärzte wussten wohl manchmal auch nicht, was sie uns sagen sollten. Aber wir fühlten uns dort sehr gut aufgehoben, wenn es auch immer sehr hart war. Dort versuchte man uns zu helfen und verstand uns. Meine Blutungen hielten bis zum 5. Monat an, die Übelkeit endete erst im 6. Monat. Ab da konnte ich die Schwangerschaft genießen. Wir wechselten den Frauenarzt nachdem wir einen Disput hatten, daß er mich nie ernstgenommen hatte und sich oft ausfallend über unser Kind äußerte (Es wäre doch kein richtiges Kind etc.) ...wir hatten eine Hebamme gefunden, die uns betreute. Weihnachten stand vor der Tür. Wir verbrachten es zu zweit und beschäftigten uns viel mit unserem Junior, der ab dem Zeitpunkt auch für den Papa zu spüren war. Dieser Moment war unheimlich schön. Ich war schon ganz verzweifelt, daß der Kleine so ruhig war und sein Papa nie zum richtigen Moment da war. Ich betete schon regelrecht darum, daß unser Sohn sich mal richtig "zu Wort" meldet. Sein Papa war unheimlich glücklich, ihn endlich zu spüren und wie stark gleich. Einige Tage machte unser Sohn einen Rabatz in unserem Bauch, wir spielten ihm seine Spieluhr oft vor, redeten mit ihm, ölten den dicken Babybauch ein. Es waren harmonische Tage bis dann der letzte Tag im Jahr bevorstand. Wir luden nur einen Freund ein, da uns durch die Sorgen um unseren Sohn nicht zu Feiern zu Mute war. Den ganzen Silvestertag bewegte sich Tim Luca nicht mehr, am Tag zuvor war er noch mal richtig wild und ich horchte oft in mich rein, was mit ihm wäre. Düstere Gedanken beschlichen mich, in den letzten Stunden des Jahres beschlich uns eine Niedergeschlagenheit, das neue Jahr begrüßten wir mit Tränen. Ich hatte große Angst und unser Gast ging dann auch sehr niedergeschlagen nach Hause. Am Neujahrstag rätselten wir rum, was nun wäre. Ob er nur sehr ruhig ist und schläft oder es doch passiert ist. Wir entschieden, ihm noch Zeit zu lassen, sich zu melden und gingen am 2. Januar zur Hebamme. Sie versuchte die Herztöne zu finden. Ich hörte ständig ein leises fernes Pochen und war ganz froh. Doch dann hieß es, es wäre mein Puls zu hören. Wir fuhren ins Krankenhaus und dort wurde Tim Lucas Tod in der 28. Woche im Ultraschall festgestellt. Er ist wohl am Silvestertag gegangen...Ich war unheimlich entsetzt, er war dort so kraftlos im Bauch zu sehen, sein Köpfchen hing nach unten, sein Herzchen schlug nicht. Ich weinte und mein Herz schien zu zerreißen. Dann ging alles recht fix, ein Kaiserschnitt wg. unten liegender Plazenta wurde für den nächsten Morgen angesetzt. Einige Untersuchungen noch, dann fuhren wir nach Hause. Der letzte Abend mit Babybauch stand bevor. Wir weinten und wußten kaum ein noch aus. Ich hatte ständig das Gefühl, er würde sich bewegen und bat am nächsten Morgen im KH um einen weiteren Ultraschall. Nun ja, meine Gebete wurden nicht erhört, Tim Luca war wirklich tot. Die Entbindung stand bevor und wie sich nun rausstellte noch schlimme Stunden für Tim Lucas Papa. Ich verschlief ja alles. Wie sie den Kleinen holten und dann den Kampf um mein Leben, da ich drohte zu verbluten. Die Plazentaablösung machte wohl Probleme und ich war 4 Stunden im Op. Durch Bluttransfusionen und die Entfernung der Gebärmutter wurde ich gerettet. Ich erwachte auf der Intensivstation, als mein Liebster meine Hand nahm und mich ansprach. Dann fehlen mir wieder 24 Std. in der Erinnerung. Am 4. Januar bekamen wir unseren Sohn zu uns, er war so klein und zart. Er hatte schon viele dunkle Haare und wunderschöne kleine Fingerchen. Seine Augen waren geschlossen, sein Mündchen leicht geöffnet. Er wog 620 Gramm und war 29 cm groß. Er war eingewickelt, so daß wir seine Fehlbildung am Bauch nicht sahen. Ich war immer noch sehr benommen und schläfrig durch die Medikamente und habe kaum Erinnerungen an diese Zeit, es ist alles sehr verschwommen und ich bin froh, daß wir viele Bilder gemacht haben. Nach 2 Stunden ließen wir unseren Sohn abholen. Wir ließen ihm Kleidung anziehen, die wir mitbrachten. Es wurden Hand und Fußabdrücke gemacht und noch mehr Bilder. Wir fühlten uns sehr gut aufgehoben und verstanden, dennoch ließ ich mich nach fünf Tagen entlassen, da ich dort sehr unter den Geräuschen der Station zu leiden hatte. Babys weinten und Mütter mit gesunden Babys liefen herum. Damit konnte ich nicht umgehen und so war ich schnell daheim. Seitdem leben wir in Traurigkeit. Wir beerdigten unser Kind in unserem Familiengrab. Ich leide unter dem Wissen, kein Kind mehr zu bekommen. Frieden gibt uns das Gefühl, daß wir unseren Sohn nicht durch Abtreibung getötet haben und ihm die Monate viel Liebe gegeben zu haben...wir denken, er starb in Frieden. Er sah friedlich und entspannt aus, als er bei uns war und das behalten wir im Gedächtnis...