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Unsere Geschichte
Eigentlich ist es bei uns MAMA CHRISTIANE und PAPA ULF wie bei den meisten Familien.
Nachdem wir einige wunderschöne Jahre zu zweit hatten, war nun auch bei uns der Wunsch da, zu Dritt zu sein. Bei mir, der Mama, war das noch etwas eher als bei Paulchens Papa. Es waren bei ihm eigentlich auch nur die normalen Ängste, ob wir das auch alles schaffen, die Arbeit, Geld usw. Aber der Wunsch nach einem Kind war auch bei ihm sehr groß.
Ende 1998 hab ich dann die Pille abgesetzt. Jeden Monat warteten wir nun drauf, dass meine Regel ausblieb. Aber dem war nicht so.
Am Anfang machten wir uns ja noch keine Sorgen, aber irgendwann wurde es schon ganz schön belastend. Nach ca. 3 Jahren wechselte ich dann die Frauenärztin. Von da an ging es dann auch endlich vorwärts. Wir wollten ja nun auch endlich wissen woran wir sind. Bei den normalen Untersuchungen beim FA wurde mir gesagt, dass bei mir soweit erstmal alles ok ist, dann musste ich einige Monate Temperatur messen und da war auch alles ok , man konnte da sehen, dass ich einen Eisprung hatte. Nachdem bei meinen Mann dann beim Urologen ein Spermiogramm gemacht wurde, hat man festgestellt, dass es an ihm liegt.
Die Anzahl der Spermien und Qualität sind nicht ok, dass bedeutet die Chance einer natürlichen Schwangerschaft ist ziemlich gering.
Nun gut, dass war ja nicht das schlimmste. Man schickte uns in eine Kinderwunschpraxis. Da hatten wir dann im Herbst 2001 unseren ersten Termin. Als wir da wieder rauskamen, waren unsere Gefühle völlig gemischt. Die Ärztin machte uns große Hoffnung. Sie meinte, dass sieht ganz gut aus. Ich wäre ja noch nicht so alt (damals 27 Jahre) und bei meinem Mann sind ja einige gesunde Spermien vorhanden, die es nur alleine nicht schaffen. Es müsse also eine künstliche Befruchtung (ICSI) gemacht werden, aber diese Behandlung kostet einiges und kann auch bei unverheirateten Paaren gemacht werden, nur dann bezahlt es nicht die Krankenkasse. Da wir sowieso immer heiraten wollten, stand für uns nach kurzer Zeit fest, dass wir dann eben erst mal heiraten. Und am 20.02.2002 war es dann soweit, auf dem Standesamt gaben wir uns das Jawort und die kirchliche Hochzeit wollten wir im Sommer feiern. Wir reichten gleich die Anträge auf Kostenübernahme bei der Krankenkasse ein.
Es dauerte ca. 1 Monat und zu meinem Geburtstag kam dann das schönste Geschenk. Die Kostenübernahme für erstmal 2 Versuche. Perfekt. Ich hörte sofort mit dem Rauchen auf und dann konnte es ja losgehen.
Der erste Versuch begann im April. Das hieß ich musste mir Hormone spritzen, ständig zum Arzt, um zu sehen ob genug Eier wachsen und der Hormonhaushalt ok ist. Aber es klappte alles nicht so wie erwartet, aber die Ärzte sagten von Anfang an wir sollen uns beim ersten Versuch nicht allzu viel Hoffnung machen und es als Versuch ansehen. Aber das ist leichter gesagt als getan. Nachdem man mir die Eizellen (3) unter Narkose entnommen hatte, wurden sie befruchtet . Jetzt hieß es 24 h warten und am nächsten Tag mussten wir anrufen, ob sie sich befruchtet haben. Aber nur 1 hatte sich befruchtet. Als wir dann wieder einen Tag später hinmussten, hatte sich noch eine befruchtet. Dann wurden mir beide befruchtete Eizellen eingesetzt. Und dann ca. 2 Wochen abwarten, das war der Horror, denn ich hab mir sosehr gewünscht, dass es klappt. Der Termin war dann ran, in der Zwischenzeit war noch eine Kontrolle, aber der Hormonhaushalt bei mir war nicht so gut, trotz Medikamente.
Nachdem ein Schwangerschaftstest in der Praxis gemacht wurde, konnte man uns leider nur sagen, dass der negativ ausfiel. Wir waren total traurig und völlig mutlos.
Ich musste dann mindestens einen Monat aussetzen, damit sich der Körper erstmal erholen kann. Und nun stand ja auch unsere kirchliche Hochzeit bevor. Wir waren mit jedermenge Vorbereitungen beschäftigt, so dass wir erstmal ganz schön abgelenkt waren, jedenfalls meistens.
Dann am Tag unserer Hochzeit, war der 3. Tag meiner Periode. Das hieß ich musste wieder mit dem spritzen beginnen. War doch ein perfekter Start. Wir waren sehr zuversichtlich, dass es diesmal besser war. So war es dann auch, meine Hormonwerte waren gut, da man ja genug Erfahrungen vom 1. Versuch hatte und die Dosis der Hormonspritzen wurde gleich erhöht. Ich hatte diesmal mehr Eizellen. Am 18.06.2002 wurden mir 12 Eizellen entnommen und 10 hatten sich dann befruchten lassen. Wir waren sehr optimistisch. Nachdem mir am 20.06.2002 zwei befruchtete Eizellen eingesetzt wurden, hieß es wieder abwarten. Am 05.07.2002 war dann wieder der Termin beim Arzt. Aber diesmal war der Test POSITIV.
Wir waren so glücklich. Wir wussten noch nicht wie viel es sind. Ca. 2 Wochen später der 1. Ultraschall und man sah dann einen kleinen Punkt. Es war wunderbar. Nach ca. 10 Tagen haben wir zum ersten mal sein Herzchen schlagen sehen. Eigentlich verlief dann alles ziemlich normal, mir war bis in den 4. Monat hinein ständig übel, nicht nur am Morgen, aber das war egal, denn ich wusste, dass es vorbeigehen wird und wenn der Kleine erstmal da ist, alles schlimme vergessen sein wird. Den Streß von der künstlichen Befruchtung hatten wir auch schon völlig vergessen.
Am 04.10.2002 hab ich meinen kleinen Spatz dann zum ersten mal richtig gemerkt. Es war auf Arbeit und ich habe gerade einen Schokoriegel gegessen. Das hat ihm wohl gefallen.
Diesen Tag werd ich nie vergessen, denn dieses Gefühl war einfach toll. Am Anfang hatte er sich selten gemeldet, meistens hab ich ihn nur richtig gespürt, wenn ich zur Ruhe gekommen bin. Aber mit der Zeit wurde es dann immer häufiger. Er war ein richtig lebhaftes Kerlchen.
Manchmal hatte ich bei seinen Bewegungen so dolle Schmerzen, dass ich dachte er bahnt sich schon seinen Weg nach draußen. Aber mit seinem Papa hat er immer Spielchen getrieben, wenn Ulf seine Hand auf meinen Bauch legte war er sofort ruhig. Kaum hatte Ulf die Hand weggenommen, machte er weiter. Wir hatten richtig Spaß mit dem Kleinen und wir freuten uns immer mehr auf die Zeit seiner Geburt. Am 28.10.2002 haben wir bei der Feindiagnostik erfahren, daß es ein Junge wird.
Mit der Zeit ging es mir dann nicht mehr so gut. Ich hatte ständig irgendwelche Krankheiten. Ich nahm so ziemlich alles mit. Von Hautkrankheiten, Bakterien in Genitalbereich (ca. 4 mal) bis hin zu Erkältungen, die dann in immer kürzeren Abständen kamen und immer stärker waren.
Im November war dann sein Zimmer fast fertig, die Sachen waren gewaschen und der Schrank war eingerichtet. Eigentlich fehlten uns nur noch so Kleinigkeiten.
Ich wurde immer runder und merkte langsam wie ich immer mehr Wasser einlagerte.
Eigentlich hatte ich relativ schnell Wasser eingelagert, denn ich war kaum schwanger da passte mir schon mein Ehering nicht mehr. Aber mit dem Gewicht ging das eigentlich. Ich hatte nur vor der Schwangerschaft schon etwas zugenommen, habe ich auf die Hormonspritzen geführt. Jedenfalls hatte ich Anfang Dezember soviel Wasser, dass ich
schon gar keine Knöchel mehr hatte. Bei der normalen Routineuntersuchung bei der FÄ
Anfang Dez. sagte sie nur ich solle 2 x in der Woche Apfel-Reistage einlegen und dann geht das schon weg. Aber es wurde immer schlimmer. Und viele Bekannte von uns, denen ich das mit den Apfel-Reistagen erzählte, meinten das wäre gar nicht gut fürs Kind und das macht man heute nicht mehr. Also habe ich es gelassen und versucht mir viel Ruhe zu gönnen und meine Beine so oft wie möglich hochzulegen. Als es dann aber nach einer Woche immer schlimmer wurde, und ich mich langsam vor meinen Beinen ekelte, so dick wie die waren bin ich am Samstag den 07.12.2002 zu meinem Hausarzt. Der schaute sich alles an, und sah auch anhand meines Mutterpasses, dass mein Blutdruck im Laufe der letzten Monate bei jedem Arztbesuch höher wurde (aber immer noch im Normbereich lag, denn vor der Schwangerschaft hatte ich immer ganz niedrigen Blutdruck). Bei ihm war er dann das erste mal leicht erhöht. Er sagte mir dann, dass er mich jetzt aufgrund des Blutdruckes, des Wassers und der extremen Gewichtszunahme in den letzten 4 Wochen (ca. 5 kg) ins Krankenhaus überweisen würde, ich hätte wohl eine Gestose. Damit konnte ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht so viel anfangen, machte mir also auch gar keine Sorgen.
Ich habe damals gedacht, dass wir schon soviel durchgemacht haben mit der künstlichen Befruchtung und die ganzen Jahre des Hoffens, dass es ja nicht schon wieder uns treffen könne, also war ich sehr zuversichtlich.
Er schickte mich eine kleine Klinik bei uns in der Nähe, die wir uns auch schon für die Geburt ausgesucht hatten. Da war ich schon sehr froh. Denn meine Schwester und viele unserer Freundinnen hatten dort entbunden und die waren alle sehr zufrieden.
Ich lag dann 14 Tage im KH. Dort hatte ich auch schon Wehen, im nachhinein wusste ich, dass ich vorher auch schon Wehen hatte, konnte diesen harten Bauch aber nicht zuordnen und dachte nur das es der Streß wäre, die Arbeit und mein Schwiegervater lag auch im KH. Das war schon ganz schön stressig. Man gab mir dann im KH wehenhemmende Medikamente und Magnesium und verordnete mir strengste Bettruhe. Das war am Anfang ganz schön schwierig, aber ich wusste ja wofür. Dann wurde eine Doppler-Sonnographie gemacht, und man stellte fest, dass unser Kind zu klein ist und bei mir ein Gefäß zu eng wäre, er aber immer noch gut versorgt wird (da war ich in der 27 SSW). Die Ärzte meinten, wir müssten noch versuchen ein paar Wochen durchzuhalten, damit der kleine nicht jetzt schon geholt werden muß. Sie sagten, dass jetzt jede Woche einmal diese Doppler-Sonographie durchgeführt wird, um sicherzugehen, dass die Versorgung ausreichend gewährleistet ist. Man verdünnte zusätzlich mein Blut mit Aspirin. Kurz vor Weihnachten, nachdem die Untersuchungen keine Verschlechterungen mehr zeigten und er auch wuchs, ich keine Wehen mehr hatte, fragte ich natürlich wann ich denn nach Hause dürfte. Man sagte mir, dass ich regelmäßig zum Arzt muß meinen Blutdruck kontrollieren (der war oft sehr hoch, trotz Medikamente und Ruhe) und zum CTG. Wehen hatte ich aber zum Zeitpunkt der Entlassung keine mehr. Über die Feiertage sollte ich alle 2 Tage ins KH zur Untersuchung. Und das taten wir dann auch.
Es war immer alles ok. Keine Wehen und bei der Doppler-Sonographie ergaben sich auch keine schlechten Befunde. Ich bekam dann zwar eine dicke Erkältung, die gar nicht abklingen wollte, trotzdem man mir dann sogar ein Antibiotikum gab. Ich hatte zum Schluß nicht mal mehr Stimme.
Weihnachten und Silvester 2002 verlief sehr ruhig. Wir freuten uns nur, dass ich zuhause sein durfte. Ich nahm regelmäßig alle meine Medikamente und ging auch wie verabredet regelmäßig zu meinen Untersuchungen, die manchmal fast täglich waren.
Am 04.01.2003 hatten wir noch eine Familienfeier. Mein Stiefvater feierte hier bei uns seinen 60. Geburtstag, denn sie wohnen nicht bei uns sondern ca. 500 km entfernt.
Ich bin dann nur abends zur Feier, da ich mich nicht zu sehr anstrengen wollte. Aber alle freuten sich mich zu sehen, obwohl ich fast nur saß und am Fest nur von meinem Stuhl aus teilnahm.
Dann kam der 07.01.2003. Ich hatte heute wieder Doppler-Sonographie im KH, CTG und Blutdruckmessen. Es war alles ok. Der Arzt meinte, dass das Blutverdünnen mit Aspirin wohl hilft, unser Spatz zwar kleiner war als er hätte sein müssen für die 32. Woche, aber gut versorgt wird und auch wächst. CTG und Blutdruck waren auch ok.
Am Abend waren Ulf und ich mit meiner Mutti und ihrem Mann noch essen, da sie dann am nächsten Morgen nach Hause fahren wollten. So gegen 20.00 Uhr wurde ich dann unruhig und hatte immer das Gefühl ich muß mal zur Toilette. Ich fühlte mich ganz komisch und wusste gar nicht was mit mir los ist. Wir waren kaum fertig mit Essen da drängelte ich, dass ich nach Hause möchte. Das kannte ich gar nicht von mir, aber ich hatte unbedingt das Bedürfnis mich hinzulegen. Wir haben uns ganz schnell von meinen Eltern verabschiedet und sie wünschten uns noch alles Gute auch für den kleinen, da wir uns das nächste mal erst nach der Geburt sehen wollten. Ich sagte auch nichts zu ihnen, dass ich so unruhig bin.
Zuhause angekommen legte ich mich vor den Fernseher um mich abzulenken, aber meine Unruhe war nicht wegzubekommen. Nach einer Weile gingen wir dann ins Bett und ich schlief auch relativ schnell ein.
So gegen Mitternacht wurde ich ruckartig wieder wach und die Unruhe war immer noch da.
Der kleine war ziemlich ruhig. Ich stand auf und merkte, dass ich immer noch leichte Bauchschmerzen hatte (die hatte ich seit dem Essen gehen, waren aber nicht doll und da ich den ganzen Tag Durchfall hatte, schob ich es erst darauf). Beim Laufen in der Wohnung merkte ich noch so ein leichtes Stechen im Rücken und vor meinem linken Auge hat es etwas geflimmert. Aber das war alles kaum zu spüren, nur diese Unruhe. Ich weckte dann Ulf und sagte, dass irgendwas nicht ok ist, ich aber nicht genau wüsste was es ist. Wir sind dann in die kleine Klinik gefahren, in der ich schon im Dez. lag. Dort angekommen, kam ich mir völlig blöd vor, da die Schmerzen kaum zu spüren waren und die Hebamme auch so komisch guckte. Ich wurde gleich ans CTG gelegt, man sagte uns, daß alles ok ist, sie würden erstmal Blut abnehmen und mich sicherheitshalber dort behalten. Also ist Ulf wieder nachhause gefahren und ich bekam erstmal ein Zimmer. Dann merkte ich, dass ich wahnisnnigen Durst hatte (habe in der kurzen Zeit in der Klinik 2 Flaschen Wasser getrunken) und ständig das Gefühl ich muß auf Toilette. Die Ärztin versuchte dann schon mir eine Kanüle in die Handoberfläche zu legen, aber das ging nicht mehr. Es waren kaum Venen zu finden durch das Wasser, welches ich einlagerte. Sie wollte dann einen Arzt holen, der ihr helfen sollte. Nach einer Weile kam sie wieder und meinte, sie hätten jetzt die Blutwerte und ich müsste in die Uni-Klinik verlegt werden. Sie sagte nur zu mir, dass es mir nicht gut geht, aber mit meinem Kind ist alles ok. Es kann sein, dass er dort heut Nacht geholt werden muß und das könnten sie nicht machen, da sie keine Kinderintensivstation haben, denn er wog ja erst ca. 1200 g.
Sie riefen dann Ulf an und er kam auch gleich wieder zurück. In der Zwischenzeit legte man mich wieder ans CTG. Als Ulf kam lag ich immer noch dran. Beim 2. CTG war seine Herzfrequenz eine ganze Weile konstant bei 180. Das war zwar ziemlich hoch, aber ich war ja auch etwas aufgeregt. Es waren jetzt schon ungefähr 2 Stunden vergangen, seit man mir sagte, dass ich verlegt werden würde. Wo blieb denn nur der Krankenwagen?
Nun warteten wir darauf wie es weitergehen würde und beobachteten das CTG. Plötzlich fiel sein Herzfrequenz langsam und konstant ab. Sie war dann bei 160 und nach einer Weile bei 140. Darauf hin ist Ulf zum Arzt gegangen und sagte ihm, dass was nicht stimmen würde und die Herzfrequenz seit einiger Zeit abfällt und nun bei 140 ist. Der meinte nur wir sollen uns mal keine Sorgen machen, eine Herzfrequenz von 140 wäre ok. Als dann der Krankentransport kam wurde ich vom CTG abgemacht und mit Blaulicht in die Uni-Klinik gefahren. Warum fahren die noch mit Blaulicht, wenn es doch erst fast 2 Stunden gedauert hat bis der Krankentransport kam?
Im Krankenwagen meinte der Arzt nur zur mir, dass das erste CTG nicht ok war (zu uns wurde im KH gesagt, dass es ok ist), aber dass zweite CTG in Ordnung ist.
Im KH angekommen fing die Hebamme gleich an mich zu untersuchen. Sie versuchte ein CTG zu machen, was aber ziemlich schwierig war. Dann schaute die Ärztin mit dem US wo das Herz liegt und versuchte daraufhin den Schallkopf fürs CTG dort anzulegen. Das hat dann auch geklappt, seine Herzfrequenz war hier nur noch bei 120 und plötzlich fiel sie ab auf 85 (Ulf meinte das sah genau aus wie die Kurve auf dem 2. CTG in der anderen Klinik). Und dann ging alles ganz schnell. Ich hörte nur noch Sectio. Die Ärztin drückte einen Knopf und von überall strömten Ärzte und Schwestern her. Man brachte mich ganz schnell in den OP, auf dem Weg dahin konnte ich mich noch schnell umdrehen und Ulf sagen, dass ich ihn liebe, denn er musste draußen warten. Im OP angekommen riß man mir mein T-Shirt hoch, ganz schnell auf den OP-Tisch, dann sagte der Anästhesist noch was und schon war ich in Narkose. Zu dem Zeitpunkt lebte mein kleiner Schatz noch.
Als ich dann aufgewacht bin war mein erster Gedanke bei meinem Kind, ich schaute mich um, alles war so ruhig, ich hörte ihn nicht schreien. Ich wusste in dem Moment auch nicht wie lange ich in Narkose war. Plötzlich nahm ich die Gesichter um mich herum wahr und dann sah ich Ulf, er hatte ganz verweinte Augen. Ich war völlig aufgeregt und fragte immer wieder ob mit meinem Kind alles ok ist. Dann sagte mir die Ärztin dass mein Sohn tot ist, sie haben versucht ihn zu reanimieren, aber man konnte nichts mehr für ihn tun. Ich konnte das einfach nicht begreifen, er hat doch noch gelebt bevor ich in Narkose war. Um 5.45 Uhr wurde mein Paulchen tot geboren. Die Ärztin erklärte uns dann, dass sich ein Blutgerinsel gebildet hat und sich dadurch die Plazenta ablöste. Unser Sohn ist verblutet.
Ich habe nichts mehr begriffen, in mir war alles leer. Ich fühlte nichts mehr. Ich konnte nicht begreifen, dass mein Schatz nicht mehr leben sollte, ich habe ihn doch eben noch gespürt, sein Herz auf dem Bildschirm schlagen sehen. Wie kann das sein? Ich habe nie daran gedacht, dass er sterben könnte. Ich hatte auch keine Angst, nicht mal in dem Moment als sie mich in den OP schoben. Ich dachte mir nur, dann holen sie ihn jetzt und er muß dann noch ein paar Wochen in den Brutkasten, aber nicht dass er sterben würde. WARUM?
Wir wurden in ein kleines Zimmer auf der Entbindungsstation gebracht. Man fragte uns, ob wir unseren Sohn sehen wollen und wie sein Name ist. Erst waren wir geschockt und sagten nein (wir dachten nur, was sollen wir jetzt mir einem toten Baby) aber wenige Sekunden später sagten wir ja, denn ist doch unser Kind. Die Hebamme brachte ihn uns. Er sah so friedlich aus, als wenn er schlafen würde. Er sah aus, als wenn er gleich seine Äuglein aufmachen und schreien würde, aber er tat es nicht. Wie hübsch er ist und diese Ähnlichkeiten mit Ulf. Er lag ganz ruhig in meinem Arm, seine Haut war so weich und warm.
Ich konnte nichts mehr denken, nicht weinen, da war kein Gefühl mehr in mir.
Wir haben dann unsere Eltern und meine Geschwister angerufen und die kamen dann auch gleich ins KH. Meine Schwester hat einen Fotoapparat mitgebracht und Fotos vom Kleinen gemacht. Die Hebamme hat einen Fußabdruck gemacht. Alles geschah wie von allein. Ich hab das alles nur wie durch einen Schleier mitbekommen. Ich lag zwar mittendrin aber irgendwie war ich gar nicht dabei.
Nach ein paar Stunden kam dann ein Arzt und meinte ich müsse jetzt auf die Intensivstation, da sich meine Werte noch verschlechtert haben. Nach vier Tagen auf der Intensivstation wurde ich dann auf eine normale Station verlegt.
An den ersten Tagen habe ich gedacht mit mir stimmt was nicht, warum kann ich nicht weinen?
Was war passiert? WARUM?
Was haben wir falsch gemacht? Ich hatte so viele Fragen. Wir haben doch alles gemacht, was uns aufgetragen wurde. Ich habe meine Medikamente genommen und war regelmäßig beim Arzt. Ich war doch gestern Nachmittag noch im KH zur Untersuchung, da war doch noch alles ok. Mein Paul kann doch jetzt nicht tot sein. So viele Fragen und diese Wut. Ich war doch rechtzeitig im KH, die Schmerzen waren ja kaum zu spüren. Wenn diese Unruhe nicht gewesen wäre, dann wären wir wahrscheinlich gar nicht ins KH gefahren. Wir haben rechtzeitig reagiert und die Ärzte im KH haben sich soviel Zeit gelassen. Warum haben sie mich mitten in der Nacht verlegt, wenn sie Zeit hatten einen Krankentransport zu rufen, der erst nach über 2 Stunden kam? Und warum fährt er dann noch mit Blaulicht? Und das 2. CTG, wo die Kurve abfiel? Wir waren doch rechtzeitig im KH, nur im falschen.
Warum musste ich denn diese Gestose bekommen, wie konnte das passieren? So viele Fragen, aber die werden uns nie beantwortet werden.
Wir haben so lange auf ihn gewartet und uns so sehr auf ihn gefreut.
Im Dezember hat man ja bei mir schon eine Gestose diagnostiziert. Warum hat uns denn diese Klinik immer weiter zu sich bestellt und haben uns nicht schon zu dem damaligen Zeitpunkt in eine Uni-Klinik verwiesen, da sie ja wohl im Notfall nicht der richtige Ansprechpartner für uns waren. Warum hat man uns nicht aufgeklärt, dass es eine Risikoschwangerschaft war? Dies passierte nicht, weder von meiner FÄ noch von den Ärzten aus dem Krankenhaus.
Vielleicht hätte das alles verhindert werden können.
Nach so vielen Jahren des Hoffens hatte sich nun endlich unser Traum erfüllt und innerhalb weniger Stunden wurde er zerstört.
Lieber kleiner Schatz, wo immer Du jetzt bist, wir vermissen Dich so sehr und Du wirst immer in unseren Herzen sein. Die kurze Zeit mit Dir war wunderbar und nie werden wir Dich vergessen.
In Liebe Papi und Mami
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