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Schwangerschaft und Geburt von unserem kleinen Paul
Unser 1. Kind Philipp war 7 Jahre und weil wir uns noch ein zweites Kind wünschten, war ich immer wieder enttäuscht, dass es nicht klappte. Dann endlich blieb meine Regel aus und der Test war positiv. Es war eine gewünschte Schwangerschaft, so dass ich meinen Bauch stolz präsentierte. Vor lauter Glück um unser zweites Kind hatte ich natürlich auch Ängste - ob alles gut gehe und ob wir auch gute Eltern sind. Als ich im 3. Monat war, erfuhren wir, dass es meinem Vater sehr schlecht ging. Ich hatte nur noch Ängste in mir. Ich glaube, diese haben sich auch auf den Kleinen übertragen. Ich hatte kaum Kindsbewegungen und redete mir immer ein, dass es vielleicht ein sehr ruhiges Kind werden würde. Mein Vater verstarb dann und ich hatte nur noch den Tod vor Augen, freute mich natürlich trotzdem auf unser Kind. Aber ich hatte solch eine Unsicherheit in mir, die ich mir bis heute nicht erklären kann. Am 28. März 2002 fuhren wir zu unseren Eltern von Baden-Württemberg nach Brandenburg (860 km). Ich war im 7. Monat und bekam plötzlich Bauchweh. Aber ich dachte mir nichts dabei, nahm an, es wären Senkwehen. Dann endlich am Ziel angekommen merkte ich, dass ich plötzlich Wassereinlagerungen bekam, so sehr, dass meine Schuhe nicht mehr passten und ich zwei Kleidergrößen mehr brauchte. Am 30. März bekam ich wieder diese starken Schmerzen, hatte mich kurz davor erst ins Bett gelegt, um mich etwas zu erholen. Vor Schmerzen hielt ich es aber nicht mehr aus, stand auf und fing an zu pressen. Meine Mutter weckte meinen Mann und wir fuhren ins Krankenhaus. Ich konnte nicht mehr laufen, weil die Schmerzen aus der Beckengegend kamen. Endlich waren wir da. Gerade in dieser nacht sollte die gynäkologische Abteilung geschlossen werden. Ich wurde wie der letzte Dreck behandelt. Zuerst ging es zum Ultraschall, mein Mann musste auf dem Flur warten. Als das Ultraschall gemacht wurde und ich unseren Schatz so still liegen sah, hatte ich ein komisches Gefühl. Das bestätigte sich dann auch. Die Ärztin sagte, es seien keine Herztöne mehr zu hören - in einem eiskalten Ton! - und das Kind müsse normal entbunden werden. Alles ohne ein Gefühl! Ich sollte mich wieder anziehen und müsse im Krankenhaus bleiben. Mein Mann wartete noch immer und wollte endlich wissen, was los sei. Ich öffnete wie in Trance die Tür und fiel meinem Mann weinend und seelisch total kaputt in die Arme und sagte schreiend: “Unser Baby ist tot!” Wir hielten uns fest umschlungen, weinten, er brachte mich ins Zimmer und fuhr zu unserem Sohn. Ich war nicht mehr ich! Unsere Träume, Wünsche, unsere Zukunft zerbrach wie eine Seifenblase. Ich fragte mich nur noch, warum unser Baby nicht das Licht der Welt erblicken darf. Warum darf es nicht sehen, wie die Sonne aufgeht? Warum, warum...? Ich lag also Stunde für Stunde völlig abgeschirmt von allen, ganz allein in diesem Zimmer, das mit süßen Babybildchen und Teddys geschmückt war. Allein dieser Anblick tat mir weh! So musste ich die ganze Nacht verbringen. Ich kann es heute noch nicht fassen, es war wie : Psychterror, ich fühlte mich wie ein Mensch 3. Wahl, eine Mutter, die seelischen Beistand gebrauchte hätte! Am 31. März 7.00 Uhr musste ich unter starken Wehen in den Kreißsaal laufen. Endlich wurde ich untersucht, kam an einen Wehentropf und musste wie eine normale Schwangere entbinden. Ich sah das Babybettchen. Ich schaute darauf und dachte, es sieht alles so normal aus. Dann dieses niedliche “Armbändchen” für unser totes Kind. Ich wurde wieder untersucht und endlich sah ich einen “Arzt”, der mir die Blase sprengte und mir in diesem Augenblick das verseuchte Fruchtwasser, dass mir aus dem Bauchraum lief. Der Arzt ging zur täglichen Visite, ich wurde einfach da liegen gelassen. Ich musste allein zur Toilette und als ich mich im Spiegel betrachtete, sah ich mich bereits im Jenseits. Endlich kam ein Krankenwagen, der mich in ein anderes Krankenhaus brachte. Ich hatte normal starke Wehen und einen hohen Blutdruck sowie einen starken Blutverlust. Dort angekommen, wurde ich endlich bestens versorgt, alle 5 Minuten untersucht.Mein Blutdruck war so hoch, dass er nicht mehr gesenkt werden konnte. Jetzt sagte mir der Arzt, dass meine Gerinnungswerte so schlecht seien, dass ich mich für einen Kaiserschnitt entscheiden müsse. Sonst würde ich auch sterben! Also unterschrieb ich die Papiere und wurde für die OP vorbereitet. Mir schossen so viele Gedanken durch den Kopf, sowie Angst und Trauer um unser Baby. Alles erschien mir so sinnlos. Warum sollte ich noch weiterleben? Wurde mir doch alles, was ich liebe, genommen? Meine Hebamme, die mich betreute, gab mir auch seelischen Beistand. Sie fuhr mich in den OP, hielt mir die Hand. Die Austreibungphase setzte ein, die Wehen kamen häufiger. Als der Arzt zum Bauchschnitt ansetzte, sagte ich nur noch: “Sie brauchen nicht Schneiden, das Baby kommt!” Ich merkte, wie ich das Kind gebar und war von der Narkose betäubt. Als ich dann auf der Intensivstation aufwachte, dachte ich, dass das alles nicht wahr ist. Das alles nur ein Traum war. Doch als ich mich in diesem Raum umsah, waren überall diese komischen Geräte und mein Bauch war auch weg. Mein behandelnder Arzt saß am Bett und wartete bis ich aufwachte. Er erklärte mir alles und hatte auch einige Fragen. Ob wir unser Kind sehen wollen, ob wir einen Namen haben (Bestattung!)? Dann, ob er uns unseren Sohn bringen darf? Ich antwortete mit ja. Paul war schon so groß für seine 7 Monate und sah so friedlich aus. Ich küsste ihn unter Tränen und musste mich mit dem Gedanken abfinden, dass ich ihn gehen lassen muss. Das war einfach zu viel. So ein kleines hilfloses Wesen! Dann kam mein Mann und umarmte mich und weinte dann um Paul. Er musste auch loslassen. Es ist einfach heute noch schwer! Sie nahmen Paul mit, ich hätte ihn gern noch festgehalten. Ich wusste, ich werde ihn nie wieder sehen. Wie kann eine Mutter soetwas zulassen, dachte ich? Ich fühlte mich so schlecht. Was für eine Mutter bin ich eigentlich? Meine Mutter und meine Schwester besuchten mich und sahen Paul. Ich wurde auf die gynäkologische Station gebracht, nach 10 Tagen entlassen und dem Alltag überlassen, womit ich so schnell nicht klar kam und auch heute noch Probleme habe. Meine Mutter und meine Schwester haben in der Zeit, in der ich im krankenhaus lag, die Bestattung veranlasst. Er wurde bei meinem Vater beigesetzt. Jetzt gehe ich oft zu meinem Sohn und zu meinem Vater. Ich fühle, wie sie oft nah bei mir sind.
Wir werden dich immer lieben Paul, deine dich liebende Mama, dein dich liebender Vater und dein Bruder Philipp!
Ich, deim Vater, habe dichim Bauch deiner Mutter aufwachsen sehen. Habe dich nur einmal gesehen. Als ich wusste, du lebst, liebte ich dich und als du tot geboren wurdest, war für mich alles vorbei. Aber für mich heißt es, der Tod ist auch der Anfang. Ich wünsche dir alles Gute, mein kleiner Sohn und habe bitte immer ein Auge auf uns - deinen Vater, deiner Mutter und deinen großen Bruder!
Dein dich immer liebender Vater!
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