Marie

Für unsere kleine

M A R I E

still geboren am

1. Februar 2004

23.35 Uhr
49 cm, 2680 g

Still, seid leise,
es war ein Englein auf der Reise.
Sie wollte ganz kurz bei uns sein,
warum sie ging weiß Gott allein.

Sie kam von Gott
dort ist sie wieder.
Wollte nicht auf unsre Erde nieder.

Ein Hauch nur bleibt von ihr zurück,
in unsrem Herzen ein großes Stück.
Sie wird jetzt immer bei uns sein,
wir vergessen sie nicht, sie war so klein.

Geht nun ein Wind am milden Tag,
so denken wir, es war ihr Flügelschlag.

Und wenn wir fragen wo mag sie sein?!
So wissen wir ein Engel ist niemals allein.

Sie kann jetzt alle Farben sehn,
und barfuß durch die Wolken gehn.
Vielleicht lässt sie sich hin und wieder
bei uns den Erdenmenschen nieder.

Und wenn sie wird von uns auch sehr vermisst,
und weinen weil sie nicht bei uns ist,
so denken wir, im Himmel wo es unser Englein nun gibt,
erzählt sie stolz:
ICH WERDE GELIEBT!

Unsere Geschichte:

 Im Winter 02 lernte ich meinen Freund Manfred kennen. Ich verliebte mich sofort in ihn und es dauerte nicht lange und schon waren wir ein Paar. Bei uns ging alles sehr schnell: wir lernten uns sehr schnell und gut kennen da wir zusammenarbeiteten.

Unsere Beziehung reifte sehr schnell und wurde sehr intensiv, deshalb entschlossen wir uns im Sommer zusammen zu ziehen.

Wir mieteten eine kleine Wohnung und schon bald hatte ich das Gefühl schwanger zu sein.

Am ersten Juli 03 wurde dann die Schwangerschaft von meinem Frauenarzt bestätigt. Zuerst war ich völlig geschockt, war im ersten Moment überhaupt nicht glücklich damit weil ich andere Pläne hatte.

Mein Freund freute sich hingegen total über unseren Wurm (war damals schon in der 8. Woche).

Für mich hingegen kamen die ersten Wochen des Nachdenkens. Zu der Zeit stand auch ein Amerikaaufenthalt auf dem Programm. Das war gut so, somit konnte ich in Ruhe über alles nachdenken. Ich brauchte diesen Monat Auszeit um mich mental auf alles einstellen zu können.

Ich freundete mich mit meinem "überaschenden Geschenk" an schmiedete erste Pläne und hatte schon viele Ideen was ich mit meinem Kind mal alles machen werde. In Amerika kaufte ich schon die ersten Babysachen und kam schön langsam in Babyfreuden.

Als ich von meiner Reise zurück kam hatte ich mich schon total auf mein Kind eingestellt und war froh, als bei der ersten Mutter-Kind Untersuchung alles in Ordnung war. So ein Langstreckenflug ist für eine Frühschwangerschaft ja nicht risikolos. Somit war mein Glücksgefühl umso größer ,als mir der Arzt sagte, dass alles in Ordnung sei mit meinem Wurm. Ich war so verliebt in mein Kind, als ich es das erste mal am Ultraschall, als Mensch schon erkennbar und mit Herzschlag sah. Es bewegte sich schon ganz wild.

Die Zeit verging so schnell, und ich war jedesmal von Untersuchung zu Untersuchung gespannt wie sich unser Kind entwickelte. Ich liess auch ein Ultraschall-video machen damit ich unseren Sonnenschein all meinen Freunden und Familie zeigen konnte. Ich war so stolz auf unser Kind!!

Ich hatte eine wunderbare, komplikationslose Schwangerschaft: arbeitete bis zum Mutterschutz in der Krabbelstube wo ich viele Erfahrungen und Ideen für mein eigenes Kind sammeln konnte, ging fleißig spazieren, las sehr viel, achtete auf meine Ernährung, schmierte mir immer den Bauch ein, führte Tagebuch über die Veränderungen, ließ mich von meiner Mutti verwöhnen wenn ich zu Hause auf Besuch war.

Ich spürte dass sich alle mit uns freuten.

Am schönsten war für mich das meine beste Freundin im September 03 ein Mädchen bekam.

Was gibt es schöneres als gemeinsam mit der besten Freundin ein Kind zu haben??

Ich malte mir alles so schön aus. Hatte so viele Pläne und Ideen.

Nun kam die Zeit des Mutterschutzes. Alles verlief reibungslos. Ich war so glücklich dass es mir und dem Baby so gut ging. Das Baby entwickelte sich immer ganz normal.

Im Jänner 04 ging ich in einen Geburtsvorbereitungskurs, denn die Zeit der Niederkunft nahte. Dort erfuhr ich so manches, was ich vor der Geburt noch alles machen kann, damit alles leichter geht: machte die Dammassage, aß Leinsamen für eine erhöhte Schleimproduktion, machte Heublumendampf für die Lockerung des Gewebes, Gymnastikübungen,..... ich tat alles damit es dem Baby und mir gut ging. Es machte mir auch alles so viel Spaß.

Auch in der Wohnung begann ich alles für unser kleines Familienmitglied herzurichten. Konnte es kaum erwarten das Gitterbettchen neben mein Bett aufzustellen, zu putzen, zu überziehen. Erst wenn alles sauber war, war ich zufrieden. Mit Freuden hab ich all die Babysachen gewaschen, gebügelt, zusammengelegt und in meinem Kasten Platz gemacht.

Es sollte alles schön sein, es konnte ja jeden Moment soweit sein.

Nun kam die letzte Mutter-Kind Untersuchung bei meinem Arzt am 19.01.04. Mit unserem Baby (ich war überzeugt das es ein Junge wird!!) war alles in Ordnung: Muttermund noch schön geschlossen, Herztöne okay, und er schnitt auch einen Doppler mit- die Fliessgeschwindigkeit in der Nabelschnur ist gut. Alles schien super zu sein und ich war unbesorgt da es auch mir gut ging.

Am letzten Wochenende im Jänner übernachtete ich wieder einmal zu Hause, da mein Freund wegen der Arbeit wegfahren musste. Ich wollte einfach nicht mehr alleine in der Wohnung bleiben, es waren ja nur noch 3 Wochen bis zum Termin.

Am Freitag den 30.01.04 machte ich es mir auf der Couch wieder einmal gemütlich. Meine Mutti setzte sich zu mir und streichelte wieder einmal meinen Bauch und redete mit dem ersehnten Enkerl.

Da fiel mir bewusst auf, dass ich mein Kind schon eine zeitlang nicht mehr strampeln spürte. Ich machte mir auf einmal große Sorgen, sprach zu meinem Wurm es möge sich bitte melden. Doch es kam nichts.

Den ganzen Samstag galt meine ganze Aufmerksamkeit dem Baby. Doch es kam nichts. Ich redete mir ein, es wird wahrscheinlich nicht mehr viel Platz für Bewegungen haben, und außerdem, wenn man will das sich das Baby bewegt, geht sowieso nichts. Ich fühlte mich überhaupt nicht mehr wohl, somit rief ich meine Hebamme vom Geburtsvorbereitungskurs an. Sie riet mir ins Krankenhaus zu fahren, damit ich Gewissheit habe, dass eh alles in Ordnung ist.

"So schnell fahr ich auch nicht", dachte ich mir! Es wird eh alles okay sein. Doch das ungute Gefühl ging nicht weg.

Am Sonntag (1.02.04) um die Mittagszeit fuhr meine Mutti mit mir ins Krankenhaus. Was soll schon sein, 3 Wochen vor dem Termin??- so versuchte ich mich zu beruhigen.

Im Kreissaal untersuchten mich dann 2 Hebammen. Doch die zwei fanden schon keine Herztöne. Ich wurde unruhig und Angst überkam mich und meine Mutter. Wir mussten dann auf einen Arzt warten der einen Ultraschall machen sollte. Diese Zeit des Wartens war eine Ewigkeit für mich.

Er kam endlich. Ich legte mich auf die Liege, meine Mutter neben mir. Ich sah das Bild und wusste was los ist. Der Arzt sagte: "Jetzt müsst ihr euch festhalten. Das Baby ist tot, es hat keinen Herzschlag mehr!" Auch sein Blick sagte alles.

In diesem Moment brach die Welt für mich zusammen. Ich war sofort unter Schock, konnte diese Schreckensnachricht nicht fassen.

Ab diesem Moment verlief alles wie in einem schlechten Film, nur mit mir als Hauptrolle.

Ich verstand die Welt nicht mehr. Ich sollte doch im Krankenhaus sein um mein Kind zu gebären und nicht von ihm Abschied zu nehmen.

Es war so schlimm.

Mir war auch klar das ich meinen Engel normal auf die Welt bringen musste.

Meine Mutter rief Manfred an, konnte ihm aber nicht sagen was passiert ist, nur das er kommen soll. Sie rief auch Freunde und Familie an, damit sie beten für unseren Engel und für mich, dass ich die Geburt schaffe.

Vom Ultraschallraum musste ich wieder in den Kreißsaal. Es war der Kreißsaal SONNE. Es war so friedlich und harmonisch in diesem Raum, die Sonne schien auf die Geburtsliege im Zimmer, ich lag darauf und ich konnte nicht mehr aufhören zu weinen. In diesem Zimmer sollte ich also Abschied von meinem geliebten Kind nehmen??

Wie sollte ich das nur schaffen??

Die Hebamme kam und fragte mich wann ich möchte, dass die Geburt eingeleitet werden sollte. Sie war auch total einfühlsam und half mir durch diese schwere Zeit.

Ich war sofort einverstanden, dass sie mir ein Zäpfchen legten (15.30 Uhr).

Noch im Kreißsaal spürte ich ,dass das Zäpfchen zu wirken beginnt. Die Hebamme bot mir an in ein privates Zimmer auf Gyn-Station zu gehen, damit ich den anderen Geburten und dem Babygeschrei nicht ausgesetzt bin, denn es konnte noch Stunden dauern bis es richtig los geht.

Ich wechselte also auf die Station. Es stand ein 2-Bettzimmer für mich alleine bereit.

Ich bin so dankbar das meine Mutter immer bei mir war, auch mein Bruder kam mit seiner Freundin um mir Beistand zu leisten.

Manfred tauchte bald auf und es war das schlimmste für mich ihm zu sagen, dass unser Kind tot sei. Er nahm mich in seine Arme und weinte mit mir.

Gemeinsam trauerten wir nun um unser noch nicht einmal geborenes Kind.

Ein paar Stunden darauf hatte ich schon starke Wehen. Alle boten mir an etwas gegen die Schmerzen zu nehmen. Ich wollte jedoch immer eine natürlche Geburt, somit schob ich dies immer weiter hinaus bis die Schmerzen, besonders der seelische Schmerz unerträglich wurde.

Ich ließ mir was leichtes geben, doch es half nicht viel.

Um 21.30 kam der Arzt um nachzusehen, wie weit der Muttermund schon geöffnet sei. Er war nur ein-zwei cm offen. "Das kann noch dauern", sagte er.

Auch die Hebamme kam, doch sie sagte, wir sollten doch schon bald wieder in den Kreißsaal gehen.

Um 22.30 Uhr waren wir im Kreißsaal. Ich entschied mich dann für einen Kreuzstich doch die Hebamme sagte, dass es sich wahrscheinlich nicht mehr auszahlen wird, weil sich der Muttermund auf einmal so schnell öffnete.

Dann kamen schon die ersten Presswehen.

An dieser Stelle muss ich all den vielen Menschen danken die für mich beteten, denn ich hatte auf einmal so viel Kraft und spürte ganz intensiv, wie ich mein Kind zur Welt brachte. Ich bin so dankbar dafür.

Um 23.35 Uhr war dann unser Mädchen da- ich konnte es nicht glauben ein Mädchen: Marie soll sie heißen!

Ich wollte sie sofort sehen und halten. Sie war so schön! Ich konnte mich an ihr nicht satt sehen. Es war ein wunderbares Gefühl sie im Arm zu halten- ich musste so lange darauf warten.

Immer wieder sagte ich ihr: Fang an zu atmen, du schläfst doch nur. LEBE!!

Ich konnte es nicht fassen, dass dieses wunderschöne Geschöpf tot sein soll. Nein, das kann einfach nicht sein.

Nach der Geburt kamen wir wieder auf das Zimmer. Marie durfte mit. Wir konnten sie noch ein paar Stunden haben. Auch eine Klosterschwester kam und segnete unseren Engel. Ich wurde bald müde, doch die Hebamme versprach mir Marie am nächsten Morgen nocheinmal zu bringen.

 Am nächsten Morgen hoffte ich das alles nur ein böser Traum war, doch ich wachte mit Unterleibsschmerzen in einem Krankenzimmer auf, meine Mutter neben mir. Es war leider kein Traum.

Manfred und seine Eltern kamen. Dann kam Marie. Sie sah so niedlich aus in ihrem blauen Trainer- den hatte ich gekauft und wollte ihn anziehen wenn ich mit dem Baby nach Hause komme.

Sie sah so friedlich und zufrieden aus. Wir alle konnten Abschied von ihr nehmen.

Der schwerste Abschied in meinem Leben, aber kein Abschied für immer!!!!

 Nun sind fast 2 Monate vergangen, und ich bin dabei dies akzeptieren zu lernen. Ich kann noch nicht mit dem Verlust unserer Tochter umgehen. Schon gar nicht nach dem Befund den wir erhalten haben.

Anscheinend war meine Plazenta sehr klein und somit funktionierte die Versorgung nicht richtig!

Für mich ist dies etwas was man sehen hätte müssen!!

Wer übernimmt die Schuld an dem was passiert ist? Ich, der Arzt, das Schicksal?

Marie kommt nicht mehr zurück, egal wer sich verantwortlich fühlt, und dass ist was mich quält- die Sehnsucht nach meiner TOCHTER!!!