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Zum Sterben geboren
Mai 1998 - Ein Jahr danach
... Morgen wird unsere Katja ein Jahr alt. Wir werden sie am Grab besuchen. Ich habe einen hübschen Rosenstrauß binden lassen. Und ich bin furchtbar aufgeregt. Zuvor werde ich bei der Mutter meinen Geburtstag mit den Geschwistern, Schwiegereltern und meiner Oma feiern. Sie freuen sich alle, mich zu sehen und eigentlich ist es eine schöne Feier. Doch niemand bemerkt, wie ich mit zunehmender Stunde trauriger werde. Ein schlechtes Gewissen will aufkommen. Wie kannst du hier sitzen und feiern, wenn du morgen am Grab deiner Tochter stehst, die es nicht geschafft hat? Ich kann nicht mehr und verabschiede mich zeitig, um mein Bett aufzusuchen. Nein, das werde ich nicht wieder tun. So eine Feier wird nicht mehr stattfinden. In der Nacht habe ich einen wunderschönen Traum. Meine Katja steht selbst vor ihrem Grab mit einem kleinen Blumenstrauß. Sie trägt weiße Strumpfhosen über ihren zarten Beinchen und darüber ein wunderschönes rosa Spitzenkleid. Diesmal hat sie ein Gesicht und der kleine Mund lächelt. Es ist mein Gesicht und mein Lächeln, das ich als kleines Mädchen hatte und von Fotos her kenne. Im Traum nehme ich mein Mädchen in die Arme und wir drehen uns im Kreis und dabei fliegen ihre Beinchen in die Höhe und sie jauchzt vor Freude. Ich wünschte, der Traum würde nie enden! Es ist ein sonniger Morgen. Mit dem Blumenstrauß stehe ich vor Katjas Grab. Ich fühle mich völlig kraftlos. Tränen rinnen über meine Wangen, mein Mann versucht mich zu trösten. Und noch etwas passiert. Mein Unterleib beginnt zu schmerzen. Es ist, als hätte ich eine offene Wunde und alles wäre erst heute passiert. Wieder um Jahre gealtert verlasse ich den Friedhof. ...
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