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Unsere Geschichte (in Kurzform)
Kurz vor Weihnachten 1998 erfuhr ich das ich wirklich schwanger bin. Das Gefühl war unbeschreiblich. Ich war gerade 17 Jahre alt und von zu Hause ausgezogen. Mein damaliger Freund Sascha freute sich, als es ihm am 24. Dez. sagte. Alles schien schön zu sein. Ich freute mich auf Dich, Alina, und wußte das sich mein Leben komplett ändern würde. Das Du sterben müsstest, daran hätte ich nie gedacht. Ich spürte Dich. Spürte Dein Leben, spürte Deine Liebe... doch dann kam der Tag, der alles veränderte. „Putz bitte die Treppe“, sagte Dein Vater... das Telefon schellte und wenig später kam dein Vater wieder und schlug mir ins Gesicht. „Du Schlampe....“, dass war alles, was ich hörte als ich die Treppe runter fiel. Alina, glaub mir, ich in keine Schlampe. Ich habe nichts getan, was das begründen würde. Der Schmerz war unerträglich. Ich spürte Dich nicht mehr, spürte nicht mehr dein Leben und deine Liebe... wenig später... ich hielt dich (?) in meinen Händen... du weißt, was geschehen ist. Ich kann es nicht schreiben. Der Gedanke daran zerfrißt mich. Wo war der Arzt, wo ?! Vielleicht hättest Du gerettet werden können... Ich bin schuld. Oder?!
Ich habe nie aufgehört Dich zu lieben. Niemals. Hatte immer Angst, nie wieder diese Liebe zu einem anderen Menschen aufbauen zu können. Aber das brauchte ich ja auch nicht. Man sagte mir, dass ich auf Grund von „chemischen Körperreaktionen“ nie wieder ein Kind bekommen würde... Nie wieder!
Ich versuchte mich damit abzufinden. Ich lernte Deinen Vater kennen, Ricky. Frank versuchte mir zu helfen. Mir meine Trauer zu nehmen. Ich ging am 15 Januar 2001 zum Arzt. Meine Regel war ausgeblieben und ich hatte, ja, ich hatte Angst. Frau Dr. G. sagte mir, dass wir einen Test machen würden. TEST?! Nein, dass war nicht möglich. Das sagte ich Ihr auch. Doch wir machten den Test trotzdem.
POSITIV!
Dieses kleine Wort veränderte alles. Schlagartig. Ich dachte an Dich, Alina, und fing an zu weinen. Meine Hausärztin fragte, was los sei. Ich erzählte ihr alles. Sie ging zum Telefon und machte einen Termin für den kommenden Freitag bei einem ihr gut bekannten Frauenarzt. Ich war auf der einen Seite überglücklich, auf der anderen Seite unheimlich traurig. Ich ging wieder zur Schule, wollte mein Abi machen, und fing schon an mir auszurechnen , wie alles laufen würde. ZU Hause rief ich Frank an und er kam auch direkt zu mir. Wir überlegten und sponnen rum. Es wird ein Junge! Ich spürte das und so sagten wir, dass er Ricky heißen sollte. Am nächsten Tag wüßte es schon mein halber Kurs, alle freuten sich für mich. Am Abend fuhren der Kurs und ich zu „STARLIGHT EXPRESS“. Die Musik und die Gefühle. Es war wunderschön. Ich war glücklich wie lange nicht mehr. Glücklich schlief ich auch abends ein. Der nächste Tag, es war der 17.Januar, war eigentlich ein Schultag wie jeder andere auch. Die ersten beiden Stunden English. Ich regte mich furchtbar auf. Unsere Lehrer teilte uns sie Noten mit und ich war mehr als unzufrieden. Naja, aber ändern konnte ich es nicht. Ach Ricky, hätte ich mich nur nicht so aufgeregt. Die Pause kam und ich hatte das Gefühl, als würde ich „auslaufen“. Ich ging auf Toilette. Meine beste Freundin ging mir nach. Sie spürte das was nicht stimmt.
Ich sah das Blut und sofort füllten sich meine Augen mit Tränen. Ich konnte nicht denken nicht handeln. Wusste nicht, was ich tun sollte. Janine, meine beste Freundin nahm mich in den Arm und sagte, wir gehen zum Arzt. SOFORT! Die Pause war um. Ich ging um mich abzumelden zum Bio-raum Meine Lehrerin, die mich so wie so nicht leiden konnte, schaute mich nur an und fragte, WARUM?!
Ich schrie sie an: Weil ich gerade mein Kind verliere. Nora, wenn Du jetzt gehst, dann bekommst du eine 6 und dein Abi ist gelaufen.
Das war mir egal. Von mir aus hätte sie mich auch von der schule schmeißen können.... aber es war zu spät. Ricky, warum?! Ich brach die Schule ab und versank in eine Welt voller Trauer und Apathie. Frank verließ mich... und vergaß Dich Ricky... Dafür hasse ich ihn. Wie konnte er Dich vergessen.... Ich liebe Dich!
Ich wollte sterben, zu Euch kommen. Wollte nicht alleine sein auf dieser Welt. Auf einer Welt, die mir nichts als Schmerzen bereitet. Ich wollte auch nicht länger an einen Gott glauben, der mich so bestraft und mir alles nimmt... Nie wieder!!! Aber ich überlebte. Ich überlebte ohne zu leben.
Dann traf ich Sascha. (Zufällig hieß er genauso wie Alina´s Vater.)
Sascha zeigte mir, die schönen Seiten des Lebens und versprach, dass er mich nie verlassen würde. Wie aber meine Zeit mit Christian war, möchte ich anhand unseres Baby-Tagebuches zeigen:
Hallo! Heute ist der 11.03.02 Dr. H. hat mir bestätigt, dass es Dir gut geht und die Schwangerschaft normal verläuft. Ich bin so froh. Leider glaube ich, dass Sascha dieser Situation nicht gewachsen ist. Ich hoffe sehr, dass wir das zusammen schaffen. Ich muß glauben und hoffen. Ich habe jetzt 2 Ultraschall-bilder. Ich habe sie kopieren lassen und die Originalbilder eingerahmt. Am Montag gehe ich zu Dr. N. . Dann ist sein Urlaub zu Ende und ich kann Dich wieder sehen und bekomme dann auch den Pass. Ich liebe Dich, Deine Mama
12.03.2002
Hallo Baby!
Heute geht es mir eigentlich ganz gut. Am Morgen war mir wie immer etwas übel, aber das ist schon ok. Das einzige, was mich wirklich stört ist das Sodbrennen und das ziehen im Unterleib. Dr. H. sagt, das sei normal, da sich die Gebärmutter vergrößert und die Schleimhaut dicker wird. Dein Papa hat heute nacht angerufen. Er war etwas angetrunken als er mir sagte, dass er mit allem nicht klar kommt. Ich hoffe sehr, dass er sich wieder beruhigt. Ich liebe Ihn doch... Und vorallem liebe ich DICH!
Deine Mami
15.03.02
Hallo Baby!
Seit einigen Tagen habe ich wieder Arbeit. Es ist eine ABM bei der Caritas. Morgens arbeite ich im Kiga und nachmittags hab ich dann Schule. Zur Zeit geht es mir nicht so super. Ich habe starke Unterleibsschmerzen, bin müde, erschöpft. Aber das wird schon wieder. Ich weiß ja, für wen ich das mache! Ich tu´ es nicht für mich, sondern für Dich. Ich möchte Dir, wenn Du geboren bist, alles geben. Alles, was Du brauchst.
Und ich meine damit nicht nur Liebe und Geborgenheit. Viele sagen, dass ich zu jung und naiv sei, aber wir schaffen das. Wir zwei! Ich habe mir schon einen Namen für dich überlegt. Ich weiß irgendwie, dass Du ein Junge wirst. Du sollst dann Christian-Justin heißen. Wie gefällt Dir der Name?! Jetzt habe ich Unterricht. Ich liebe Dich, mein Sonnenschein. Auch ohne Deinen Vater werden wir zwei es schaffen.
Deine Mama
15.03.02
Hallo Kleines,
jetzt ist es gleich 15:00 Uhr! Was machst Du bloß mit mir. So glücklich war ich schon lange nicht mehr. Ich hoffe, dein Papa hat nur eine Phase und läßt uns nicht wirklich für immer allein! Weißt Du, wenn DU groß bist, dann werde ich Dir dieses Buch geben. Damit Du mal sehen kannst, was ich hier mitmache.... ;-)
Jetzt aber mal im Ernst mein Schatz, die Bauchschmerzen müssen wirklich nicht sein. Die sind unerträglich!
So, ich bekomme jetzt noch Besuch. Ich liebe Dich, Mama
21.03.2002
Warum.... Wo bist Du,... Ich kann es nicht verstehen. Was hab ich gemacht?! Bitte verzeih mir. Ich liebe Dich doch, komm zurück zu mir....
Ist es meine Schuld, wieder MEINE Schuld?! Ich halt das nicht aus. Es tut nur noch weh... Ich muß doch schon ohne Alina und Ricky leben, warum jetzt auch noch ohne DICH!!!! Jetzt SOLL ich auch noch OHNE DICH leben.... NEIN!!!! NEIN, dass kann und will ich nicht. ich will nicht alleine sein. Deine Schwester, Dein Bruder und dein Papa...alles habe mich verlassen.... Bitte, BITTE nicht!! Bitte bleib bei mir....
ich liebe Dich, du bist doch mein Starlight.... mein Sonnenschein... alles was ich habe.
Deine Mami!!!
29.03.2002
Geliebter Christian-Justin...
Es tut immer noch so weh. Ich will dich doch wieder haben. Ich liebe Dich doch... BITTE! du bist mein Leben! Ich will nicht ohne Dich leben Komm zurück...
In liebe, Deine Mama
Gedichte für meine Kinder...
Schuld! (24.01.01)
Was ist es, dieses Gefühl, welches mich zerfrisst, wenn ich an Euch denke?!
Was ist es, dieses Gefühl, welches mich nicht schlafen läßt, so tief in der Nacht?!
Was ist es, dieses Gefühl, welches mich nicht ruhen läßt, egal welchen Schritt ich auch wage?!
Was ist es, dieses Gefühl, welches mir meine Seele, mein Herz, mein Leben nimmt?!
Was ist es, dieses Gefühl, welches mich an Euch erinnert, und mich weinen läßt?!
Was ist es, dieses Gefühl, welches tief in mir sitzt wenn ich Kinder sehe?!
Ist es das, wofür ich es halte?! Ist es Schuld?! Ist es die Schuld an Eurem Tod?! Ich spüre die Antwort, doch dieses JA tut mir so weh... verzeiht mir....
Aber dieses Gefühl bleibt.... SCHULDIG FÜR IMMER!
HEUTE ( 26.4.2002)
Heute habe ich geweint,
Tränen der Trauer vergossen.
Heute habe ich an Euch gedacht,
Tränen der Schuld vergossen.
Heute habe ich den Schmerz gespürt,
Tränen des Hasses vergossen.
Heute weiß ich, dass ich Euch für immer verloren habe und tränen rollen über mein Gesicht, denn ich erkenne, dass jeder Tag ein „HEUTE“ ist.
Fragen ( 25.01.2001)
Die Frage nach dem wer ich bin,
eine Reise in die Ferne,
die Suche nach dem wahren Sinn,
und was ich daraus lerne.
Antworten sind so weit entfernt,
im Nebel gar verborgen,
hab ich im Leben je was gelernt,
es gab nur Schmerz und Sorgen.
Allein, im Meer der Leere,
verlassen, hoffnungslos verloren,
wie wär es, wenn es anders wäre,
wäret ihr denn dann geboren?!
Ihr seit doch mein Leben,
durch euch hatte ich Kraft,
würde alles für Euch geben,
hab bis heute nichts geschafft.
Tief in meiner Seele,
da hab ich keine Chance,
weiß nicht welchen Weg ich wähle,
ohne Euch fehlt mir die Balance.
Ich blicke wissend in die Ferne,
denn ich weiß, dass Ihr mich liebt,
euch lachen sehn, würd ich so gerne,
und hoffen, dass man mir vergibt!
Für Alina zu deinem ersten Todestag 02.03.2000
Zwischen Glück und Trauer,
hinein ins Meer der Einsamkeit.
Suche Deine Nähe und das Lachen deiner Lippen...
Doch es bleibt, wie es ist. WO BIST DU?!
Fortgerissen von jetzt auf gleich,
alleine in der Stille.
Kein fröhliches Wort aus Deinem Mund, kein Tippeln kleiner Füße,
doch es bleibt, wie es ist. WO BIST DU?!
Allein mit dem Schmerz,
tiefe Stöße in mein Herz.
Kein einziges Wort dringt an mein Ohr,
doch es bleibt wie es ist. WO BIST DU?!
Schau ich in sternklarer Nacht hinauf zum Himmel,
so habe ich das Gefühl, Dich zu sehen.
Ich sehe Dein Gesicht, höre Dein Lachen und das Tippeln Deine kleinen Füße.
Deine Nähe ist mir bewußt.
Doch alles bleibt, wie es ist. Ich liebe Dich!
Deine Mama!
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