Julian P.

 

Dies ist ein Geschenk an dich…


„Gedenkseite für Julian“



Deine Geschichte begann am 26.02.1998, ich war beim Frauenarzt zu meiner jährlichen Krebsvorsorge und mit dem Wunsch schwanger zu sein. Da ich dies auch dem Arzt mitteilte, wurde ein entsprechender Schwangerschaftstest durchgeführt. Die Minuten bis zum Ergebnis des Testes kamen mir wie Stunden vor. Als schließlich der Arzt kam, mir die Hand entgegenstreckte, mit den Worten „Ich gratuliere, sie sind schwanger“ war in mir ein Feuerwerk der Freude…ein Wunsch wird nun wahr.

Es vergingen Tage und Wochen…du bist gewachsen…man sah´ die Bilder von den Ultraschallaufnahmen…der Bauch wurde gestreichelt und geküsst.

Ich war oft sehr müde und kraftlos. Ich hörte sehr oft: „Naja, du bist eben schwanger“ oder auch „Schwanger sein heißt nicht man ist krank“. Es waren die Worte, die einem nicht wirklich helfen.

Heute kann ich sagen, diese Schwangerschaft fühlte sich nicht normal an, ich hatte viele Ängste.

Im dritten Monat entschlossen wir uns, es muss ein toller Kinderwagen für dich gekauft werden.

Der Gedanke selbst Eltern zu sein ist schön. Am Ende des 5. Monats hatte ich immer öfter ein Ziehen im Bauch. Der Arzt stellte daraufhin Wehen fest. Ich bekam dagegen Tabletten und strenge Bettruhe angeordnet. Ich hielt mich daran!

Immer mit dem Gedanken, als Belohnung bekomme ich dich, mein kleiner Spatz. Immer mit der Hoffnung, dass es dir gut gehe.

Eines Tages, bei einer Untersuchung, teilte mir der Arzt mit, ich sollte ins Krankenhaus gehen, da man dort die Wehen mit einer Infusion besser kontrollieren und behandeln könnte.

Ich folgte dem Rat des Arztes…und nun lagen wir dort …du und ich.

Es war eine lange und oft nicht leichte Zeit. Ich tröstete mich damit, dass ich vermutlich nicht die einzige Schwangere bin, die mit vorzeitigen Wehen zu kämpfen hatte. Dies war auch ein Grund, warum ich mir nicht zu viele Sorgen machen wollte. Außerdem hatte ich im Kopf immer die Freude auf dich…wenn diese Monate vorüber seien.

In der 36. SSW beschlossen die Ärzte, wir können das Krankenhaus verlassen, denn wenn du nun auf die Welt kommen willst, brauchen wir keine Angst mehr um dich haben. Es war der 12. September 1998 und es ging uns gut.

Als dann am 13. September sich wieder Wehen einstellten fuhren wir an diesem sonnigen Sonntag erneut ins Krankenhaus. Dort wurde ich aufgenommen und man teilte uns mit, dass unser Sohn Julian noch heute geboren würde.

Wir waren sehr aufgeregt…aber überglücklich vor Freude!

Eigentlich sollte dieser lange Weg ein Ende haben und wir dich in die Arme schließen dürfen. Alle Ängste waren auf einmal weg. Unsere Eltern wurden noch schnell benachrichtigt. Jetzt ist es soweit, heute wird unser Baby geboren…alles wird gut, ein kleines Sonntagskind.

Alles stand bereit… ein Intensivbettchen, Ärzte, weil du ja nach der SSW noch eine Frühgeburt  warst.

Mit meinem Mann an meiner Seite wurdest du geboren…wie schön!

Ich sah´ dich leider nicht, denn du wurdest gleich von einem Kinderarzt versorgt, gleich hier im selben Raum. In mir wuchs wieder eine Angst, aber ich wurde wieder beruhigt, dass alles in Ordnung sei.

Uns wurde gratuliert, zu unserem Sohn. In einem anderen Raum hörte ich ein Baby laut und kräftig  schreien. Unser Kind schrie nicht…ich hörte nur ein leises Wimmern.

Die Angst war immer noch vorhanden, da sagte ich zu meinem Mann, dass er zu Julian gehen solle, da vermutlich irgendetwas nicht stimmt.

Der Arzt meine nur, dass alles in Ordnung sei und er das Baby nur untersuchen müsste. Der Arzt, welcher vor unserem Jungen stand schüttelte immer wieder den Kopf. Nach einiger Zeit kamen sie zu uns und teilten uns mit, dass sie leider nichts mehr für unseren Sohn tun konnten, da sie ihn nicht beatmen konnten. Der schlimmste Alptraum in unserem Leben hatte begonnen. Wir weinten und schrieen vor Schmerz nach dir. Eine Frau legte den kleinen, zarten Körper in meine Arme. Es war als würdest du gerade glücklich in meinem Arm eingeschlafen sein. Aber leider für immer.

Auch dein Papa war fassungslos…mit dir im Arm lief er weinend im Zimmer auf und ab. Unterdessen bekam ich eine Vollnarkose, wegen der folgenden Ausschabung. Mit einem Rütteln der Schwester wurde ich wieder in den Alptraum zurück geholt. Ich kam auf ein Zimmer und sollte nun schlafen. Mein Mann und meine Eltern waren die ganze Nacht bei mir…in dieser schrecklich langen Nacht.

Am nächsten Tag wurde ich entlassen…ohne dich mein Schatz, aber mit viel Liebe im Herzen, die ich dir leider nicht zeigen konnte.

Die Tage zuhause waren schon schwer genug für mich und meinen Mann. Trost konnte uns wirklich niemand geben. Wie auch!!

Dieses „ihr seid noch jung, oder das Leben geht weiter“ will man nicht hören!

Einige Tage später wurdest du in unserem Familiengrab bestattet. Die Zeit war sehr schwer, auch ich musste nochmal ins Krankenhaus, weil ich eine Thrombose bekam.

Nun sind zehn Jahre vergangen…mir und meinem Mann geht es wieder gut. Trotzdem denke ich jeden Tag an unseren Julian mit dem Gedanken, dass wir uns wiedersehen werden.


Ich komme aus dem Land von Gestern und bin auf dem Weg in das Land von Morgen. Dabei muss ich durch das Land der Menschen reisen. Darum frage ich euch, ob ihr mich begleiten wollt.

Albertin Arndt „Die große Reise der kleinen Prinzessin“

Nur für dich…

Ein Engel nahm dich an der Hand und führte dich ins Sternenland.

Ein Stern war auch für dich noch frei…so weit, so fern bist du nun fort. Kein Weg führt weg von diesem Ort…von dort im großen Land der Sternenkinder.

Für meinen kleinen

Julian

geboren am

13.09.1998, 22.15 Uhr

in der 36. Woche

gestorben am

13.09.1998, 22.35 Uhr

Gewicht: 1630 g, Größe: 40 cm, Kopfumfang: 30 cm,